Große regionale Unterschiede beim lebenslangen Lernen in Deutschland

Die Ergebnisse des Deutschen Lernatlas ermöglichen aus einer neuen Perspektive, die über den Aspekt der schulischen Bildung hinausgeht, eine vergleichende Betrachtung der regionalen Lernbedingungen, wobei erhebliche regionale Unterschiede innerhalb Deutschlands sichtbar werden. Der Blick auf die regionalen Lernbedingungen in der Bundesrepublik zeigt, dass die Landkreise und kreisfreien Städte im Süden deutlich bessere Gesamtergebnisse im Deutschen Lernatlas erreichen als diejenigen im Norden.

Abbildung: Gesamtindex Deutscher Lernatlas


Kein West-Ost-Gefälle, sondern Süd-Nord-Gefälle beim „Schulisches Lernen“

Besonders ausgeprägt ist das Süd-Nord-Gefälle jedoch im Bereich „Schulisches Lernen“. Ausschlaggebend dafür sind in erster Linie die unterschiedlichen Leistungen der Schüler (Lesen, Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften) im Primar- und Sekundarbereich, hierbei schneiden die südlichen Bundesländer (Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Rheinland-Pfalz) insgesamt besser ab. Darüber hinaus weisen viele Regionen in diesen Bundesländern auch bei anderen Kennzahlen der Indikatoren „Allgemeine Schulbildung“ und „Hochschulbildung“ sehr gute Werte auf.

Abbildung: Ergebniswerte in der Dimension „Schulisches Lernen“


Südwest-Nordost-Gefälle in der Dimension „Berufliches Lernen“

In der Dimension „Berufliches Lernen“ zeigt sich tendenziell ein Südwest-Nordost-Gefälle. Diese Unterschiede sind in erster Linie auf die immer noch deutlich schlechtere Beschäftigungssituation in den neuen Bundesländern zurückzuführen, was sich zum Teil in den Kennzahlen zur beruflichen Weiterbildung widerspiegelt. Kreise und kreisfreie Städte Bayerns, Hessens, Baden-Württembergs und des Saarlands erreichen unter den Flächenstaaten die besten Werte in dieser Lerndimension, was sowohl auf sehr gute regionale Ausbildungsmärkte und hohe berufliche Weiterbildungsaktivität als auch auf gute Werte im Bereich der lernförderlichen Arbeitsumfelder zurückzuführen ist.

Abbildung: Ergebniswerte in der Dimension „Berufliches Lernen“


Große Unterschiede zwischen Ost und West beim „Soziales Lernen“

Im Bereich des „Sozialen Lernens“ zeigt sich für Deutschland ein ausgeprägtes Ost-West-Gefälle. Besonders große Unterschiede gibt es bei den Indikatoren „soziales Engagement“ und „politische Partizipation“. So liegt das soziale Engagement in vielen Regionen der neuen Bundesländer deutlich hinter dem der alten Bundesländer zurück. Nach der Wende und der Auflösung der staatlich organisierten Engagementstrukturen der DDR entwickelte sich in den neuen Bundesländern nur sehr langsam eine neue, eigenständige Engagementkultur. Allerdings gibt es einzelne Bereiche des sozialen Engagements, in denen kaum mehr Unterschiede zwischen Ost und West bestehen. Beim Engagement für Ältere schneiden die neuen Bundesländer sogar im Schnitt besser ab als die alten Bundesländer.

Abbildung: Ergebniswerte in der Dimension „Soziales Lernen“


Kein ausgeprägtes geographisches Muster in der Dimension „Persönliches Lernen“

In der Dimension „Persönliches Lernen“ lässt sich für Deutschland insgesamt kein ausgeprägtes geographisches Muster feststellen. Gute regionale Lernbedingungen in der Freizeit finden sich in vielen Regionen Deutschlands. Im Unterschied zu den vorangegangenen Lerndimensionen erreichen Städte hier besonders hohe Werte. Sie punkten mit einem großen und vielfältigen kulturellen Bildungsangebot wie Museen oder Konzerthäusern und bieten gleichzeitig einen herausragenden Zugang zu Medien. In den Flächenstaaten erreichen zahlreiche Regionen in Baden-Württemberg und Bayern sowie in Sachsen ebenfalls gute Ergebnisse in dieser Lerndimension. Eine gute Internet-Infrastruktur, geeignete Weiterbildungsmöglichkeiten durch die Volkshochschule sowie ein hohes Angebot an Sportvereinen sind dabei die ausschlaggebenden Faktoren.

Abbildung: Ergebniswerte in der Dimension „Persönliches Lernen“